Verfasst von: fieldmedia | 14/03/2011

Abenteuer Japan … Vom Wollen und Dürfen

Dass Naturkatastrophen bei Hilfsorganisationen weltweit für Aufregung sorgen, liegt wahrscheinlich in der Natur der Dinge. Es gilt schließlich, Hilfsmöglichkeiten anzubieten und umzusetzen. Gutes am Menschen tun – und auch darüber reden – und dies natürlich schnellstmöglich. Denn auch in der Hilfsbranche weiß man schon lange, dass die erste Pressemitteilung, eine erste große Geschichte, die sich medienträchtig vermarkten lässt, die Spendenkassen zuverlässig füllt.

Vielleicht war es diesem Umstand geschuldet, dass einige Hilfsorganisation schneller in Aktion getreten sind und helfen wollten, als sie am Ende durften. Am 11.03. meldete die Hilfsorganisation HUMEDICA, dass ein Einsatzteam mit fünf Helfern nach Japan entsandt wurde. Am gleichen Tag ließ allerdings das japanische Außenministerien auf diversen Kanälen vermelden, dass internationale Hilfe zwar erwünscht sei, die Rettungseinheiten jedoch im Herkunftsland auf Zusagen aus Japan warten möchten…..

 

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Verfasst von: fieldmedia | 06/11/2010

Die Opfer der Mitleidsindustrie

Erst gestern bekam ich das Buch mit dem Titel „Die Mitleidsindustrie“ von Linda Polman.

Auf 245 Seiten beschreibt sie eindrucksvoll und kritisch, wie Hilfsorganisationen in Ausübung ihrer vermeintlich „guten Sache“ Milliarden Euro in fragwürdige Hilfsprogramme investieren. An Beispielen wie Äthiopien, der Demokratischen Republik Kongo und dem Sudan berichtet sie über viele Dinge, die ich in den letzten Jahren selbst erlebt habe, diese Dinge aber nun in einem anderen, noch größeren Kontext, sehen kann.

Unter anderem führt sie Quellen auf die belegen sollen, dass sich Hilfsorganisationen trotz ihrer vielfach beschworenen Neutralität………

 

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Verfasst von: fieldmedia | 06/11/2010

Die Deutschland-Safari

Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad sind quer durch Deutschland gefahren, um sich über das Leben zu streiten. So entstand, zumindest nach eigener Aussage, eine süffisante Mischung aus Journalismus und Komödie: “Entweder Broder – Die Deutschland-Safari”

Der polnische Jude und der ägyptische Moslem dokumentieren auf der Strasse, worüber die Politik sich derzeit streitet: Integration.

Dieser Blog zieht derzeit um, lesen Sie deshalb HIER weiter.

Verfasst von: fieldmedia | 02/11/2010

Tropensturm „Tomas“ rast in Richtung Haiti

Bereits im September fegte ein Sturm über Haiti und forderte Tote. Bäume wurden entwurzelt, die Stromversorgung in einigen Teilen brach zusammen, in Port-au-Prince kam es zu Überschwemmungen. Zahlreiche Notunterkünfte, meist Zelte von Betroffenen des Erdbebens im Januar, wurden zerstört.

Schon in wenigen Tagen wird, so Wetterprognosen zufolge, wieder ein Tropensturm auf die Küste Haitis treffen. Nicht nur die Bevölkerung sieht dem Unwetter ängstlich entgegen, auch Hilfsorganisationen ahnen nach Erdbeben und Choleraausbruch eine neue Katastrophe hereinbrechen.

 

Der Blog ist umgezogen… den vollständigen Artikel finden Sie hier fieldmedia.org/blog

 

 

 

Verfasst von: fieldmedia | 28/10/2010

Spendenmillionen für den Baustopp

Anfang März dieses Jahres bin ich im weltweiten Netz über diesen spannenden Artikel im “Sunday Leader” gestolpert: „Galle Hospital Delayed For Six Years“

Hier eine kurze Zusammenfassung: Bundeskanzler a.D. Helmut Kohl befand sich am 26.12.2004 in Sri Lanka – und wurde so Augenzeuge des Tsunami. Als Augenzeuge und zugleich Betroffener wollte er beim Wiederaufbau helfen. Nachdem er von der Zerstörung des Mahamadora Hospitals in Galle hörte, befürwortete er die Gründung einer Stiftung (Helmut Kohl Maternity Stiftung Galle / Stiftungssitz scheinbar in Essen), die sich für den Wiederaufbau des Geburtskrankenhauses engagieren sollte. Es wurden Spenden gesammelt und das Projekt gestartet. Doch sechs Jahre nach dem Tsunami, so der Stand vor einem halben Jahr, ist das neue Krankenhaus immer noch nicht gebaut.

Die Grundsteinlegung fand ein Jahr nach dem Tsunami statt: da ich zum Jahrestag des Tsunami auf Arbeitsreise in Sri Lanka gewesen bin, drehte ich bei dieser Veranstaltung.

Rotary International unterstützte das Projekt und sammelte fleissig Spenden in den bundesweiten Rotary-Clubs und bei diversen Veranstaltungen. Eigens wurde eine Projekt-Webseite eingerichtet, die letzte Meldung allerdings stammt aus dem Jahr 2006. Ungefähr im März 2010 schickte ich eine Anfrage an die zentrale Ansprechpartnerin für die Hilfsaktion, um neue Informationen zum Stand des Krankenhausprojektes zu erfahren.

Eine Antwort bleibt bis heute aus.

HIER GEHT`S WEITER mit dem Artikel zum aktuellen fieldmedia-blog.

(Wegen Blog-Umzug befindet sich fieldmedia.wordpress.com in einer Übergangsphase zur Deaktivierung. Alle neuen Inhalte werden vollständig unter http://www.fieldmedia.org/blog veröffentlicht!)

Verfasst von: fieldmedia | 25/10/2010

Cholera in Haiti

Die Cholera breitet sich in Haiti erstmals seit über 100 Jahren wieder aus. So lange galt die Krankheit laut Medienberichten in dem Land als ausgerottet. Die immer noch katastrophalen Lebensbedingungen nach dem Erdbeben im Januar 2010 ermöglichten den Wiederausbruch: frisches Trinkwasser gibt es nur unzureichend, Fäkalien breiten sich in den Flüssen aus und schaffen den perfekten Nährboden für die Krankheit.

Die offensichtlich träge und überforderte Regierung Haitis hat den Notstand ausgerufen: was dies allerdings bewirken soll, ist fraglich.

Der Ausbruch von Cholera und anderen Krankheiten in Katastrophengebieten (gerne auch in den Medien immer wieder als Schlagzeile à la „Krankheiten und Seuchen breiten sich aus“ verwendet) ist kein neues und auch kein unabsehbares Problem, allzu gerne nutzen Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation und auch Hilfsorganisationen diese Krankheitskulissen oftmals bereits wenige Tage nach Katastrophenereignissen, um die weltweite Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Doch im Fall Haiti scheint man vom tatsächlichen Ausbruch der Krankheit überrascht worden zu sein. Schleunigst versuchen einige Hilfsorganisationen die Versäumnisse von Regierung und Hilfsindustrie aufzuholen und starten den Hilfseinsatz im Hilfseinsatz.

Doch allzu grosse Schuld darf man den Organisationen in Haiti wohl nicht geben, denn für diese ist der Kriseneinsatz in dem Land eher ein problematischer. Immer wieder war zu lesen und zu hören, dass auch die haitianische Regierung in den letzten Monaten die Hilfsmassnahmen indirekt behindert hat: Hilfslieferungen steckten immer wieder für Tage und Wochen im Zoll fest. Auch eine Medikamentenlieferung, welche von der Bill Clinton Foundation ins Land gebracht wurde, ist wochenlang im Zoll festgehalten worden. Der Grund dafür klingt eher schildbürgerlich, geht es doch um wichtige und dringend benötigte Hilfsgüter: angeblich sollen die Einfuhrpapiere nicht vollständig gewesen sein, eine schnelle unbürokratische Lösung wurde nicht angeboten.

Auch berichteten Hilfsorganisationen immer wieder von Problemen bei der Einfuhr von notwendigen Fahrzeugen:

ein mobiles Krankenhaus, sozusagen ein LKW mit Behandlungsräumen, wurde mit einem Zoll von 23.279 USD Zoll belegt, so berichtete es Rodney Napier von der US-amerikanischen Hilfsorganisation „Granted Wish“ in einem Interview. Vermutet wird, dass die zuständigen Staatsdiener bei solch hohen Einfuhrzöllen insgeheim auf Schmiergeld hoffen, sollten diese die Zölle herabsetzen und die schnelle Einfuhr der Fahrzeuge ermöglichen.

Diese Problematik streift wahrscheinlich nur eine von vielen möglichen Erklärungen, weshalb die Arbeiten einiger Hilfsorganisationen in Haiti nicht so effizient verlaufen, wie sie es unter besseren Bedingungen durchaus könnten.

Verfasst von: fieldmedia | 18/10/2010

Politisch unabhängig?

Bei den Mitarbeitern des Bündnisses „Aktion Deutschland Hilft“ (ADH) dürfte der Auftritt von Christian Wulff am 10.10.2010 vermutlich für schlechte Laune gesorgt haben, da wieder einmal eine andere Hilfsorganisation im Fokus der öffentlich-rechtlichen Aufmerksamkeit stand: traditionell startete der Bundespräsident die bundesweite „Woche der Welthungerhilfe“ mit einer Ansprache im Programm von ARD & ZDF und forderte die Zuschauer zum Spenden auf.

Noch nicht lange ist es her, dass sich Aktion Deutschland Hilft öffentlich über die Berichterstattung von ARD und ZDF zu den großen Katastrophen der letzten Jahre brüskierte und eigens eine Kampagne mit dem Slogan „Bei ARD/ZDF nur in der zweiten Reihe“ ins Leben rief. Man regte sich darüber auf, dass nicht ADH-Spendenkontonummern nach Beiträgen zur Pakistanhilfe eingeblendet wurden,  sondern die Daten eines konkurrierenden Hilfsaktionsbündnisses. In einem eigens abgefassten Interview unterstellte die Geschäftsführerin Manuela Rossbach den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sogar die „Parteilichkeit der Medien“. Die Originalmeldung scheint auf der Webseite von Aktion Deutschland Hilft nicht mehr vorhanden zu sein. Eine Kopie gibt es jedoch hier.

Dabei kann man manchen Hilfsorganisationen beinahe selbst eine andere Art der „Parteilichkeit“ vorwerfen: die „Parteilichkeit der Politik“. Und diese bezieht man offenbar gerne auf die eigene Organisation, schaut man sich einmal die Besetzungen diverser Kuratorien und Schirmherrschaften an.

So leistet sich ADH ein eigenes Kuratorium unter Schirmherrschaft von Dr. Richard von Weizsäcker, als Kuratoriumsvorsitzender wurde der ehemalige Aussenminister Frank Walter Steinmeier installiert. Weitere bekannte Namen wie Volker Beck, Ruprecht Polenz und Kerstin Müller finden sich ebenfalls auf der Liste der Kuratoriumsmitglieder.

Die sogenannte „Nichtregierungsorganisation“ Welthungerhilfe setzt ebenfalls auf politische Fürsprecher und Kontakte. Das Präsidium wird besetzt von Bärbel Dieckmann und Klaus Töpfer, als Schirmherr fungiert bei der Welthungerhilfe traditionell der amtierende Bundespräsident – so auch seit dem 17.08.2010 der neue Bundespräsident Christian Wulff . So weit, so gut! Eine Hilfsorganisation braucht Spenden – und an diese gelangt sie durch Öffentlichkeit. Dass dabei prominente Botschafter helfen können ist auch klar.

Die Frage, ob sich allerdings folgende Zeilen aus der Eigendarstellung der Welthungerhilfe damit in Einklang bringen lassen, sollte jeder für sich interpretieren:

„Die Welthungerhilfe ist eine private, gemeinnützige, politisch und konfessionell unabhängige Hilfsorganisation und arbeitet unter einem ehrenamtlichen Präsidium und der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten“

Wie eine Organisation wie die Welthungerhilfe politisch unabhängig sein möchte aber gleichzeitig enge Kontakte zur Politik hält, ist wahrlich nur schwer nachzuvollziehen. Auch folgende Zahlen lassen die Fragezeichen bezüglich einer politischen Unabhängigkeit größer werden:

Im Jahr 2009 hat die Welthungerhilfe nach eigener Darstellung 32 Mio. Euro Spendengelder erhalten. Im gleichen Zeitraum erhielt sie für Nothilfe vom Auswärtigen Amt (AA) 16,8 Mio. Euro sowie vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 17,6 Mio. Euro. AA und BMZ sind bekanntermaßen Ministerien – und keine unpolitischen Förderinstitute. Insbesondere das Verhältnis der Spenden der populären Hilfsorganisation im Vergleich zu öffentlichen Geldern sollte stutzig machen. Insbesondere, da weitere mehr als 60 Mio. Euro von weiteren Institutionen wie der EU etc. gestellt werden. (Quelle: Welthungerhilfe Jahresbericht 2009).

Von einer reinen Spendenorganisation kann man bei diesen Zahlen offenbar nicht mehr sprechen.

Interessant wäre in diesem Zusammenhang eine genaue Auswertung, für welche Projekte die Gelder des AA sowie des BMZ aufgewendet wurden. Die Ministerien stellen Gelder meist nur für solche Länder und Regionen zur Verfügung, die ins aktuelle außenpolitische Schema passen. Kenner der Branche berichteten, dass seit den gehäuften Angriffen auf deutsche Bundeswehrsoldaten im einst relativ sicheren Einsatzgebiet um die afghanische Stadt Kundus vermehrt Projektgelder vom Auswärtigen Amt nur dann vergeben werden, wenn Hilfsprojekte im Einsatzgebiet umgesetzt werden. Das politische Kalkül dabei: Wenn man den Afghanen unter deutscher Flagge Gutes tut, wird auch die Bundeswehr weitestgehend von Angriffen verschont bleiben. Hilfsorganisationen, die zur Umsetzung von einzelnen Projekten auf Mittel der politische Töpfen von AA und BMZ angewiesen sind, lassen sich indirekt somit instrumentalisieren. Ob sich dies auch auf Projekte der Welthungerhilfe in Afghanistan übertragen lässt, liesse sich wahrscheinlich nur schwer nachprüfen.

Dass man sich bei der Welthungerhilfe aber gerne vom eigentlichen Kerngeschäft mit Geldern aus Ministerialtöpfen weglocken lässt, zeigt sich am Beispiel des Flughafenprojektes in der Demokratischen Republik Kongo:  In der ostkongolesischen Stadt Goma repariert die Welthungerhilfe zur Zeit eine Landebahn des Flughafens. Was dies mit dem Thema Ernährung und Hunger zu tun hat, erschliesst sich nicht direkt. Die nach eigener Darstellung offizielle Begründung für die Reparatur zum Preis von 14 Mio. Euro (finanziert vom Auswärtige Amt): Herstellung der Flugsicherheit, Friedenssicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Ob dies wirklich die edlen Gründe für die Investition von 14 Mio. Euro Steuergeldern sind, wird sich ebenfalls wahrscheinlich nie ganz klären lassen.

Allerdings: als ich im Jahr 2009 in Goma auf Drehreise war traf ich abends in einem Hotelrestaurant einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kinshasa. In einem kurzen Gespräch berichtete er von seiner Aufgabe am folgenden Tag eine Mine in Lueshe besuchen zu müssen. Mehr Auskünfte konnte/wollte/durfte der Botschaftsangehörige mir nicht erteilen. Bei weiterer Recherche stellte sich heraus, dass ein deutsches Unternehmen zweifelhafte Verbindungen zu einer Mine in Lueshe unterhält. Selbst von der UN laufen Untersuchungen bezüglich der Rolle der deutschen Regierung in Zusammenhang mit dieser Mine. Lueshe befindet sich in der Nähe der Stadt Goma. Insider vermuten einen Zusammenhang zwischen der Verbesserung des Flughafens und dem möglichen Abbau und Abtransport von Rohstoffen aus dieser Mine in Lueshe.

Viele Hilfsorganisationen zeigen sich, offensichtlich zumindest aus PR-Gründen, gerne mit politischer und unpolitischer Prominenz in der Öffentlichkeit. Wie sehr sich Organisationen hinter den Kulissen aber von der Politik abhängig machen, wird man wohl nie erfahren.

Ihr

Daniel Lorenz

Verfasst von: fieldmedia | 12/10/2009

Minen-Chaos Kongo

Ein Expertengespräch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin Anfang Oktober 2009 trug den passenden Titel „Land unter im Überfluss“. Das Wortspiel ist wohl ein treffender Titel, bedenkt man, dass die Demokratische Republik Kongo eines der rohstoffreichsten Länder der Welt ist – aber auch eines der ärmsten. Die humanitäre Situation im Osten des Kongos ist katastrophal, eine Lösung der Probleme – trotz des größten stationierten Kontingents an Blauhelmtruppen, das weltweit jemals eingesetzt wurde – scheinbar nicht in Sicht.

In der rohstoffreichen Region im Osten des Kongo gibt es zahlreiche Minen, in denen Colthan, Zinn und andere Erze abgebaut werden kann. Wird auch getan, meist nur nicht von offiziellen Unternehmen, sondern von Rebellengruppierungen, die ihre Kriegskassen mit der Ausbeutung der Minen füllen um ihre Feldzüge zu finanzieren. Die FDLR (Demokratischen Kräfte für die Befreiung Ruandas – eine ca. 5000 Mann starke Miliz) besetzte in den vergangenen Jahren zahlreiche Zinnminen. Wie auch andere Rebellengruppen schmuggeln sie die Mineralien über die nahegelegene grüne Grenzen ausser Landes – ohne Zölle zu entrichten versteht sich. Die kongolesiche Regierung schätzt, dass so fast 80% der Mineralienexporte illegal die Grenzen passieren. Der Schaden für Regierung und Volkswirtschaft ist groß durch die entgangenen Steuereinnahmen. Doch auch die Regierung spielt in dem Machtgefüge um den Mineralienhandel scheinbar eine unrühmliche Rolle. Die Regierung in Kinshasa ist auch heute, drei Jahre nach den Wahlen bei denen auch deutsche Soldaten zur Sicherung eingesetzt wurden, noch nicht in der Lage, flächendeckend ein funktionierendes Rechtssystem zu installieren. Es gibt ganze Landstriche, in denen es keine öffentliche Verwaltung gibt, geschweige denn Polizei oder Ordnungskräfte. Meist vertreten in der Region sind Regierungssoldaten: so schlecht und unregelmässig bezahlt, dass sie sich alternative Einkommensquellen suchen. Meldungen über Plünderungen und Vergewaltigungen durch Armeeangehörige sind keine Seltenheit. Gerade einmal 40 USD verdient ein Fuß-Soldat im Monat. Der Sold wird oftmals nur sporadisch ausgezahlt. Viele Soldaten nehmen deshalb gerne die Angebote einiger Offiziere an, sich an den Sicherungsarbeiten an den Minen zu beteiligen – für 5-10 USD pro Tag, ein lukratives Geschäft. Für die harten Arbeiten zur Förderung der Erze werden meist Bewohner aus der Gegend herangezogen. Diese arbeiten in den Minen meist für einen Hungerlohn. „Es gibt Generäle und Offiziere im Kongo, die das Mineraliengeschäft am Leben halten und Profit daraus schlagen. Die Regierung in Kinshasa kennt die Fakten, ebenso ausländische Regierungen und die MONUC.“ so A. Kepel von der International Crisis Group bei dem Berliner Expertengespräch. „Diese Offiziere benutzen die armen Menschen in den Regionen, um sie für wenig Geld die Erze ausbuddeln zu lassen.“

Im Jahre 2005 belegte die Demokratische Republik Kongo Platz 144 auf der Korruptionsrangliste. Im Jahre 2008 findet sich das Land bereits auf Rang 171 wieder. Korruption herrscht an jedem Grenzposten und in den meisten Verwaltungseinrichtungen. Dieser Umstand erleichtert den illegalen Abbau der Mineralien sowie die illegale Ausfuhr. Der Weg ausser Landes hin zu den Verladehäfen in Tansania wird freigekauft, es findet keine Kontrolle für den Export statt. Die Bergbaupolizei, die es vor einigen Jahren noch gegeben und wenigstens oberflächlich Ordnung gehalten hat in Kongos Minen, wurde von Kinshasa wegrationalisiert.

Die Regierung in Kinshasa scheint die einzige Lösung zu sein, das Chaos in Kongos Minen zu beseitigen. Doch dazu bedarf es auch den Willen dazu, Erlöse aus dem Mineralienverkauf in die Staatskasse fliessen zu lassen – und nicht in die Taschen weniger Regierungsangestellter.

Doch auch den internationalen Geberländern wird der Vorwurf gemacht, für die disaströse Situation in den Kivus verantwortlich zu sein. Viel Geld wurde seinerzeit in die Wahlen gesteckt. Doch bis heute stellt sich keines der Geberländer die Frage, was diese Investition für das kongolesische Volk gebracht hat. „Wo steht die Demokratische Republik Kongo heute politisch unter der Führung Kabilas? …Ist der Kongo ein schönerer Platz zum Leben geworden? … Die einfachen Leute spüren keine Verbesserungen. Solange niemand mit dem Finger auf Kabila zeigt und mit ihm über Korruption spricht, wird sich nichts ändern.“, so Arthur Kepel von der ICG.

Die Erklärung, warum sich die internationale Gemeinschaft in Sachen Kritik vor Kongos Regierung lieber in Schweigen hüllt, scheint für A. Kepel geopolitisch erklärbar: „Wenn europäische Länder anfangen für Hilfslieferungen Bedingungen zu stellen, wird sich die kongolesische Regierung vermehrt an die Chinesen wenden – der Einfluss der Europäer würde sich unkontrollierbar verringern.“ China, selbst trotz des rasanten Wirtschaftwachstums in den letzten Jahren immer noch Entwicklungsland, stellt in Sachen Geschäftstransparenz, Schuldenrückzahlung, Demokratieentwicklung und Strukturreformen traditionell keinerlei Bedingungen. Dieser Umstand macht China für ein Land wie der DR Kongo ein Geschäftspartner auf „Augenhöhe“. Andere Geber wie die Europäer, die USA, Weltbank oder der International Währungsfond versuchen es deshalb mit viel Verhandlungsgeschick – nach außen allerdings nur selten erkennbar.

Um das Mineralienchaos in den Griff zu bekommen engagieren sich vor allem Institutionen wie das International Council on Mining and Metals, einem Dachverband von 18 internationalen Minenunternehmen und das South African Institute for International Affairs – nicht ganz uneigennützig, versteht sich. Als Möglichkeit sehen solche Institutionen die Adaption des Kimberly-Prozesses auf die Mineralienzertifizierung. Das seit 2003 eingesetzte System zur Kontrolle des Diamantenhandels soll die Vermarktung von sogenannten Blutdiamanten verhindern – Herkunftszertifikate sollen Käufern Aufschluss geben, ob die eingekauften Diamanten aus kontrollierter Herkunft stammen und unter kontrollierten Bedingungen abgebaut wurden. Ein ähnliches System liesse sich nach Meinung der Wirtschafts- und Bergbauexperten auch auf den Mineralienbereich in der DR Kongo adaptieren. Dazu bedarf es allerdings einiger Grundvoraussetzungen, die sich derzeit nur schwer realisieren lassen dürften. Zum einen muss der politische Wille der Regierung vorhanden sein. Dieser Wille ist nötig, um die entsprechenden Kapazitäten von Regierungsseite zu stellen, um die beteiligten Parteien wie Verkäufer und Einkäufer im Mineraliensektor zu kontrollieren und Exportgewinne entsprechend in die Staatskasse fliessen zu lassen. Zugleich muss der Staat bereit sein mit der Industrie an dem Zertifizierungssystem zu arbeiten, um es an die landesspezifischen Bedingungen anzupassen. Eine weitere Aufgabe der Regierung wäre es, in den Bergbauunternehmen die Arbeitsbedingungen für die Minenarbeiter zu kontrollieren. Allesamt Aufgaben, die ohne Verwaltungsstruktur und Rechtssystem nur unwahrscheinlich umzusetzen sind – diese Strukturen sind faktisch kaum vorhanden und nicht funktionsfähig im Osten des Kongo.

Einig sind sich auf internationaler Ebene fast alle: eine zeitnahe Lösung des Problems ist wichtig! Sei es durch eine Mineralien-Adaption des Kimberly-Prozesses – oder durch eigene Initiative der kongolesischen Regierung. Ein wichtiger Prozess nicht nur für die Volkswirtschaft durch Stärkung des Finanzhaushaltes, sondern auch, um den Rebellentruppen in den Regionen den Geldhahn für Waffenkäufe abzudrehen!

Ihr

Daniel Lorenz

Verfasst von: fieldmedia | 09/10/2009

erdbeben auf sumatra – sicher bauen

Am 30.09.2009 traf die indonesische Region um Padang in Sumatra erneut ein schweres Erdbeben. Unweit des Epizentrums, von dessen Stelle der Tunami Ende des Jahres 2004 im indischen Ozean hervorgerufen wurde, bebte die Erde mit einer Stärke von 7,6.

Der vorerst befürchtete Tsunami blieb aus, doch alleine das Beben richtete hohe Schäden an,  bisher unklar ist noch die Opferzahl.

Die internationale Hilfsmaschinerie ist schnell angelaufen. Zahlreiche Organisationen verfügen fast fünf Jahre nach dem Tsunami noch über Mitarbeiter, Büros und andere Infrastrukturen in Indonesien. Dieser Umstand erleichtert die Aufnahme von Soforthilfsmassnahmen: es muss nicht erst Personal gesucht, Büroräume angemietet, Logistik aufgebaut und Fahrzeuge organisiert werden. Ausserdem sind die meisten Organisationen in dem Land bereits langjährig registriert, sodass sich die Kommunikation mit den Behörden zumindest in der Theorie einfacher darstellen sollte.

Diesem Umstand ist es wahrscheinlich auch zu verdanken, dass bei deutschen Hilfsorganisationen das Erdbebengebiet im Westen Indonesiens mehr Beachtung findet, als die Unwetterregion auf den Phillipinen oder die Erdbebenzone Samoa, wo es ebenfalls zahlreiche Opfer gegeben hat.

Insbesondere die Logistik ist in weit entfernten Regionen, in denen eine Organisation „keinen Fuss in der Türe hat“, nur schwer adhoc aufzubauen.

Zurück ins Erdbebengebiet Sumatra: Erdbeben sind dort nicht neu, Hilfseinsätze gab es wegen der Schwere der Beben schon öfters. Und wahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal. Es sollte die Frage berechtigt sein, wieso es bei solchen Erdbeben zu solch hohen Opferzahlen kommt. Eine der möglichen Antworten dürfte lauten: wegen der Architektur!

Bei meinen Drehreisen in den vergangenen Jahren auf den Inseln Nias und Simeulue, wenige Kilometer westlich von Padang, konnte ich die traditionellen Holzhäuser der Inselbewohner besuchen. Diese Holzhäuser sind nach einer Studie der TU Wien so erdbebensicher, dass sie modernen Betonbauten überlegen sind.

Diese Holzhäuser sind aufgeständert und erheben sich auf Pfählen über dem Boden. Dieser Hohlraum wird zur Lagerung von Gegenständen oder für die Tierhaltung genutzt. Darüber befindet sich der eigentliche Wohnraum, geschützt mit einem leichten Dach. Die Holzkonstruktion des Baus ist stabil – ein kompletter Einsturz eines solchen traditionellen Hauses fast nicht möglich.

Neue Bauten jedoch, die aus Fertigbeton bestehen und oftmals nicht über ein ausreichendes Fundament verfügen, stürzten nach dem Erdbeben im März 2005 auf der Inseln Nias nach einer Schätzung der TU Wien fast zu 90% ein. Bei den traditionellen Holzhäusern sollen weniger als 30% nur beschädigt gewesen sein.

In der Großstadt Padang ist an solche traditionellen Häuser kaum zu denken. Betonhäuser und gemauerte Bauten sind dort üblich und weit verbreitet. Dieser Baustil gilt als bezahlbar und modern.  Werden solche Häuser noch ohne statische Prüfung und Freigabe durch lokale Behörden erbaut, ist die Wahrscheinlichkeit eines Einsturzes nach einem schweren Erdbeben nicht unwahrscheinlich – die Opferzahlen entsprechend hoch.

Von den traditionellen Holzhäusern hingegen möchten nur wenige Menschen in der Region wissen. Problematisch ist ausserdem, dass die Rohstoffe für solche erdbebensicheren Gebäude kaum mehr verfügbar sind in der Region. Da für landwirtschaftliche Zwecke immer mehr Gummibäume und Palmenplantagen angebaut werden: Wälder, die über entsprechend nutzbares Bauholz verfügen würden, sind unlängst gerodet.

Der „architektonische Ansatz“ sollte mehr Gehör finden in der Prävention für Großschadenslagen wie Erdbeben oder andere Naturkatastrophen. Erdbebensicher zu bauen ist auch mit anderen natürlichen Baustoffen wie Lehm möglich. Die Welthungerhilfe hat in Banda Aceh bereits nach dem Tsunami 2004 ein solches Haus-Projekt entwickelt.

Mit Sicherheit wäre es der Idealfall, wenn sich die architektonischen Bauweisen in den Regionen ändern würde, um in Zukunft die Opferzahlen senken zu können. Vielleicht auch ein Ansatz für die zahlreichen Hilfsorganisationen, die zwar bei Nothilfe schnell & gut eingreifen – aber auch vermehrt vorbeugend tätig werden sollten: etwa bei der Unterstützung und Aufklärung im Bereich des erdbebensicheren Hausbaus.

Ihr

Daniel Lorenz

Verfasst von: fieldmedia | 25/09/2009

www = a better place for aid?

Eine Revolution in Sachen “Spenden” fuer Hilfsprojekte scheint im Netz losgetreten worden zu sein. Das Fundraising-Tool “Internet” wird immer mehr auf den Thron gehoben – der Mensch, um den es eigentlich bei Entwicklungshilfe gehen sollte, scheint mit Bits, Bytes und HTML von Profidesignern- und Codern in Unterordner programmiert zu werden. Es wuetet der Social Web Wahn….und wir sind mittendrin!

So verspricht betterplace.org, eine Internet-Plattform zur Generierung von Spenden fuer Hilfsprojekte, die dort von den Projektinitiatoren bekannt gemacht werden, dass 100% der Einnahmen den einzelnen Hilfsprojekten zu Gute kommen. Die taz berichtete allerdings, dass die Betreiber von betterplace.org nicht ueber Zahlen und Fakten sprechen moechten – da sollte man mal stutzig werden.

Auch zu den Projekten, die auf betterplace.org praesentiert werden, moechten sich die betterplace-Urheber eigentlich gar nicht aeussern. Die “Qualitatessicherung” zu den einzelnen Projekten ueberlassen diese lieber den “Fuersprechern” und der Community. Projekte vorstellen kann jeder, es findet keinerlei Pruefung zu den Betreibern der Projekte und zur Projektumsetzung statt. Man darf also “blind” spenden. Eine eigenartige Praxis, denn Hilfsorganisationen wie Care, Help oder die Welthungerhilfe geben sich Jahr fuer Jahr viel Muehe mit den ohnehin knappen Personal- & Finanzressourcen transparente Jahresberichte herauszugeben, in denen die Projekte und deren Kosten sowie die Ausgaben der Organisationen moeglichst umfangreich dargestellt werden sollen.

Spenden hat in der Regel mit Vertrauen zu tun – scheut eine Organisation oder eine Plattform wie betterplace.org die Oeffentlichkeit in der Darlegung der eigenen finanziellen und administrativen Hintergruende, bringen solche Institutionen den potenziellen Spendern und Besuchern scheinbar kein grosses Vertrauen entgegen. Als Spender sollte man diese scheinbare Tatsache zum Anlass nehmen, die Projekte vor einem Geldtransfer zuerst genauer unter die Lupe zu nehmen: sei es auf den organisationseigenen Projekt-Seiten im Web oder schlicht telefonisch bei den dort publizierenden Hilfsorganisationen. Mitunter ergibt sich bei einer solchen Recherche auch die direkte Moeglichkeit zur Spende an die jeweilige Organisation – ohne den Umweg ueber eine nicht vollstaendig transparente Plattform gehen zu muessen.

Man darf gespannt sein, ob betterplace.org den o.g. taz-Bericht auf der eigenen Medienseite verlinken wird – so, wie es mit positiven Presseberichten scheinbar gerne gemacht wird.

Eine weitere Institution, die derzeit den virtuellen Netzdurchbruch versucht, ist 2aid.org. Die in fast allen 2aid.org- Netzmeldungen, Blogs und Videokanaelen praesente “Front-Frau” Anna Vikky hat auf den ersten Blick scheinbar klare Ziele vor Augen: sie steht mit ihrem neu-gegruendeten Verein 2aid.org fuer “effizienz und nachhaltige Hilfe, verbunden durch das Social Web, mit der Beratung von Erfahrenen, durchgefuehrt von Youngsters.”

Bunte Schmetterlinge findet man so einige auf der jungen Webseite. Klare Konzepte zu Themen der Entwicklungshilfe jedoch weniger. Woran es allerdings nicht fehlt sind Querverweise auf die von der Organisation genutzten Social-Web-Tools wie Videos und Facebook-Profile.

Die Konzentration der Arbeiten rund um den “Mensch” scheint derzeit auf Eigen-PR zu liegen: schaut man sich die Liste der mitwirkenden “Freunde” an, trifft man auf Fotografen, Texter, Designer und Fundraiser. Fachleute mit entwicklungsbezogener Erfahrung findet man dort allerdings nicht.

Das einzige auf der Webseite veroeffentlichte Projekt (Brunnenbau in Uganda) wird in der Schlagzeile als Großprojekt angekuendigt. Vielleicht ein Indiz, dass sich bisher die Betreiber in Sachen Entwicklungshilfe noch nicht positioniert haben. Fuer langjaehrig erfahrene NRO duerfte der Bau von sieben Brunnen eher ein Projekt mit kleinem bis durchschnittlichem Volumen bedeuten.

Um fuer solche “Großprojekte” ausreichend Geldmittel und Experten zu erhalten, wird auf der Webseite vorgeschlagen ins Projektgebiet zu reisen. “Mach mit” ist hier das Motto: “Pack Deine Koffer. Dich hat das Fernweh gepackt? Du hast Lust auf was Neues, auf Abwechslung und lebenverändernde Erfahrungen? …Mach Dich auf den Weg zu den Menschen, die Du unterstuetzt.”

Na wunderbar: das ist, was arme Menschen in der Dritten Welt brauchen – Abenteuerurlauber mit bunten Schmetterlingen im Rucksack. Die Thematik erinnert ein wenig an diesen Artikel “Abenteuerreisen fuer deutsche Ethno-Touristen”

Der professionelle Gedanke hinter dem Projekt ist  bisher leider nur wenig erkennbar. Es bleibt zu wuenschen, dass sich dort bald die Experten melden, auf deren Suche 2aid.org derzeit noch ist.

Das WWW ist eine tolle Sache. Man kann hoffen, dass bei der vielseitigen Begeisterung der sogenannten social entreprenuers in Sachen “humanitarian ´web´ aid”  bald wieder auch mal mehr von den Menschen, denen geholfen werden soll, gesprochen wird und nicht immer die eigenen “grandiosen” Ideen und Webseiten in den Vordergrund gestellt werden. Und auch die noetige Transparenz sollte man nicht vergessen, bevor´s ans Programmieren geht!

Ihr

Daniel Lorenz

UPDATE: Es gibt zwischenzeitlich eine Einladung zu einem Hintergrundgespräch von BETTERPLACE, um die offenen Fragen zu klären. Dies wird in wenigen Wochen stattfinden. Infos folgen in diesem Blog.

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